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Was würdest du ohne Strom tun?

Hast du dir schon mal überlegt, was du OHNE Strom tun würdest? 😅 Ist das ein verrückter Gedanke? Ja vielleicht. Aber es ist in meinen Augen auch ein wichtiges Gedankenexperiment und ich erzähle dir gleich, warum.

Zum Hintergrund

Hier in Österreich vergeht kein halbes Jahr ohne Informationsveranstaltungen über ein potenzielles Strom-Blackout. Wie man sich darauf vorbereiten kann / sollte, was man zuhause haben sollte etc. etc. Mit einem großflächigen (längeren) Blackout wird hier in den nächsten 1 bis 5 Jahren fix gerechnet. Mir persönlich ist das grundsätzlich egal, ich hab genug Essen zu Hause und die Heizung läuft im Härtefall mit Holz.

Das Spannende daran

Was mich persönlich aber VIEL MEHR interessiert, ist die Überlegung, was wir mit uns tun, wenn wir keinen Strom haben. Hast du dir das selbst schon mal überlegt? Unser Smartphone begleitet uns überall hin (sogar oft aufs Klo! – brauchen wir beim Ka**en wirklich Beschäftigung? Irgendwie tragisch, aber ja, auch ich bekenne mich schuldig 💩). Ich merke, dass wir verlernt haben, uns ohne digitale Geräte zu beschäftigen. Stell dir das Szenario wirklich mal vor. Es gibt keine Handys, keine Fernseher, keine Computer, kein Internet. Nichts funktioniert. Was würdest du tun?

Ich bin am Land aufgewachsen. Sehr abgeschieden auf 1000m Seehöhe, die nächsten Nachbarn 1km entfernt. Meine Eltern waren sehr streng, es gab eine halbe Stunde Fernsehen pro Woche und als Kind der 90er war das Internet auch erst im Kommen. Ich kann mich noch erinnern, wie wir 1 GB groß gefeiert haben und trotzdem immer extrem sparsam damit umgehen mussten (weil 4 Kinder, 1 Mama und 1 Computer. Do the math.). Mein Punkt ist: Ich weiß, wie ich mich ohne Computer / Internet / Strom beschäftigen KONNTE. Und glücklicherweise ist mir vieles davon geblieben. Ich liebe es zu lesen, ich spiele unfassbar gerne Brettspiele, bin gerne in der Natur mit meinen Katzen unterwegs uvm.

ABER, was am Ende all dieser Dinge steht, ist trotzdem wieder ein Handy. Ein Computer. Einmal Netflix, einmal Switch, was auch immer. Ich kann nicht sagen, dass ich seit ich ein Handy besessen habe, schon einmal einen ganzen Tag ohne irgendeine Art von digitaler Unterhaltung beschäftigt hätte (und ich rechne hier Kommunikation über Whatsapp auch dazu). Und du sagst jetzt: DOCH, ich schon, ist ja ganz easy. Dann schau mal genau hin: Stimmt das wirklich? Was hast du in der Früh und am Abend getan? Hast du wirklich NICHT als allererstes in der Früh dein Handy gecheckt, auf Insta gescrollt, 5 Videos angeschaut? Und vor dem Schlafengehen?

So richtig krass bewusst geworden ist mir das letztes Jahr im Sommer, als ich mit meiner Familie auf einer Wanderung war. Wir haben auf einer Hütte übernachtet, wo es keinerlei Handy- oder Internetempfang gab. Also hast du zwar ein Handy, kannst damit aber nichts tun. Trotzdem habe ich mich immer wieder dabei erwischt, mein Handy zu checken und zu schauen, ob nicht doch irgendwie eine Nachricht zu mir gekommen ist. Ich war gelangweilt davon, keine Möglichkeiten zu haben, außer mit den Menschen zu sprechen, die da waren. Die Natur und Ruhe stundenlang zu „genießen“. Ich war gezwungen, mich mit den vorhandenen Optionen zufrieden zu geben. Und das, oohhh, das hat mir GAR NICHT geschmeckt.

Am nächsten Tag ging es zurück. Mein Mann und ich sind eine kleine Tour zurückgegangen, meine restliche Familie hat eine lange Wanderung gemacht. Treffpunkt: Der Parkplatz und die Hütte, wo die Wanderung am Vortag losging. Wir wussten also, dass wir aufgrund der kürzeren Wanderung ca. 2h30 Wartezeit auf die restliche Familie hatten (wir waren gemeinsam mit den Autos angereist). So weit so gut, wir dachten uns, alles kein Problem, 2 Stunden überbrücken wir EASY. Ja. HAHA. Auch am Treffpunkt gab es kein Internet. Nichts. Nada. Aber auch keinen Handyempfang. Und meine Familie hatte 4 Stunden (!) Verspätung, da die Wanderung zeitlich vollkommen falsch beschildert war. Mein Mann und ich sprechen sehr gerne miteinander, wir haben sehr viele Themen und Schnittmengen. Aber nachdem wir den Tag zuvor schon mit Sprechen und ohne Handy verbracht hatten, die Wanderung zurück ebenso, hat es uns auch einfach mal gereicht, zu reden. Allerdings konnten wir nichts tun, da es nichts anderes zu tun gab.

Das war ein Extremszenario. Was ich damit aber sagen möchte ist: Uns ist die Kreativität verloren gegangen, uns in Fällen, wo es benötigt wird, über LÄNGERE Zeit (ohne digitale Unterhaltung) zu beschäftigen und vor allem FREUDE daran zu haben. Weil wir nicht mehr damit umgehen können, nicht zu jederzeit all unseren Wünschen und Impulsen nachzugeben.

Im Falle eines Blackouts werden uns diese Optionen schlagartig genommen. Und wenn du dich nicht damit auseinandergesetzt hast, wie du damit umgehen willst, dann wird das nicht nur kaltes Wasser, sondern Eiswasser, in das du geworfen wirst.

Was für mich persönlich aber noch viel wichtiger ist, als die Überlegung, wie ich mich selbst im Falle eines längeren Blackouts beschäftigen kann, ist die Tatsache, wie tragisch das eigentlich (für mich) ist, dass es OHNE nicht mehr geht. Dass wir ohne nicht mehr wollen. Dass wir diese permanente digitale Verfügbarkeit und Beschäftigung eigentlich mögen bzw davon abhängig sind. 🙈

Das alles lässt mich mit vielen Überlegungen zurück und auch dem Wissen, dass die Offline-Welt noch so viel wichtiger ist (und wieder wird), als wir uns heute vorstellen können.

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